Smart Meter - Wieso muss ein Energiezähler künftig intelligent sein?

Ein wichtiger Schritt in die Energiezukunft: WIR! wollen, dass unsere Kundinnen und Kunden Bescheid wissen.

Ein Baustein der Energiezukunft ist die Nutzung intelligenter Messsysteme, sogenannter Smart Meter. Der Bundestag hat im Juni 2016 das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende verabschiedet: Spätestens bis zum Jahr 2032 müssen sämtliche mechanischen Ferrariszähler (benannt nach Galileo Ferraris) bei den Stromkunden durch elektronische Zähler ersetzt sein. Die Einführung der schlauen Produkte heißt im Fachjargon „Smart Meter Rollout“. Intelligente Mess-Systeme müssen nicht mehr abgelesen werden, sondern liefern rund um die Uhr detaillierte Informationen über Stromerzeugung und –verbrauch und ermöglichen es, beide zu vernetzen und aufeinander abzustimmen. Die smarte Technologie soll vorwiegend ermöglichen, das Stromnetz stabil zu halten und kann dabei auch noch Energie und Geld sparen. Laut einer Umfrage der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) gaben im Dezember 2016 68% der Befragten an, noch nie etwas von Smart Metern gehört zu haben. Damit Lindauerinnen und Lindauer Bescheid wissen, haben wir viele wichtige Informationen und Schlagwörter zum Thema hier zusammengestellt bzw. übersetzt.

Den Begriff Energiewende gibt es schon länger und eigentlich  bezeichnet   er eine komplette Umstellung auf nachhaltige Energieerzeugung. Nicht nur die Atomenergie, sondern auch die fossilen Energieträger (Öl, Kohle, Erdgas) sollen durch erneuerbare Energien (Windenergie, Wasserkraft, Sonnenenergie, Bioenergie) ersetzt werden. Wobei auch Energiesparen und eine höhere Energieeffizienz eine wichtige Rolle spielen sollen. Regenerative Stromerzeugung und Strombezug bestmöglich in Einklang zu bringen – das ist die Vision für das intelligente Verteilnetz der Zukunft. Das klingt gut und richtig nach „modern“ und „öko“, muss aber auch sinnvoll und wirtschaftlich umgesetzt werden. Das erfordert gründliche Planung und Detailarbeit – vor allem aber auch Eingriffe in die Installationen bei Kunden. Die Stadtwerke wollen ihre Kunden transparent und umfassend mitnehmen auf diese Reise in eine neue, bessere und nachhaltigere Energieversorgung, die auch für kommende Generationen noch Perspektiven und Möglichkeiten bietet bzw. übrig lässt.

Motivation zum Energiesparen

Was die Politik beschlossen hat, das setzen die Energieversorger vor Ort nun um. Die Stadtwerke Lindau stellen sich dieser Herausforderung schon länger und wollen sie in Zusammenarbeit  mit Systempartnern angehen, weil das hierfür erforderliche Spezial-KnowHow nicht vorhanden und einen hohen Aufwand für die Systemsicherheit bedeutet. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Zählern werden die smarten Geräte nicht nur einmal im Jahr abgelesen sondern sie können ständig Verbrauchsdaten an den Energieversorger und den Kunden übertragen. Intelligente Messsysteme bestehen aus einem elektronischen Basiszähler und dem „Smart Meter Gateway“, der Kommunikationseinheit des Systems. Verbraucher erhalten durch die intelligenten Zähler nahezu in Echtzeit transparente und detaillierte Informationen über ihren Energieverbrauch. So werden sie für das Thema sensibilisiert und zum Energiesparen motiviert. Außerdem können die Smart Meter Hinweise auf Energiefresser liefern: Wird zum Beispiel nachts unverhältnismäßig viel Energie verbraucht, so liegt der Verdacht nahe, dass sich Geräte unerwünscht im Stand-by-Modus befinden. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat dabei hohe Sicherheitsstandards vorgegeben, damit die Daten nur von den Kunden selber und den autorisierten Marktteilnehmern genutzt werden können.

Exakte Informationen über Stromerzeugung und -verbrauch nötig

Smart Meter sind zudem eine Voraussetzung für den Aufbau eines intelligenten Stromnetzes (Smart Grid) in Deutschland – und damit für den weiteren Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Insbesondere Solarstrom und Windkraft stehen nicht konstant zur Verfügung, wie Strom aus konventionellen Kraftwerken – sondern sind witterungsabhängig. Die Einspeisung von regenerativen Energien sorgt deshalb für Schwankungen im Stromnetz. Um das Stromnetz stabil zu halten, müssen diese Schwankungen durch Regelenergie ausgeglichen werden: Die Netzbetreiber speisen bei Niedrigangebot Strom ins Netz ein oder drosseln bei Überangebot Kraftwerke. Damit dieses immer anspruchsvoller werdende Energieversorgungssystem reibungslos funktioniert, sind exakte Informationen über Stromerzeugung und -verbrauch nötig. Diese Informationen liefern zukünftig die intelligenten Mess-Systeme.

Reaktionsfähiger und flexibler

Über Internetportale können Kunden ihren Stromverbrauch jederzeit einsehen und werden so zu mehr Energieeffizienz im Haushalt angespornt. Studien haben gezeigt, dass allein durch die transparente Darstellung des Verbrauchs Einsparungen von rund fünf Prozent möglich sind. Energieversorger können dann Stromlieferverträge anbieten, die auf das individuelle Verbrauchsverhalten zugeschnitten sind, oder sogar Tarife, die den Kunden motivieren, dann Strom zu verbrauchen, wenn dieser besonders günstig ist.

Mit „Smart Metering“ wird das Stromnetz und die Stromerzeugung reaktionsfähiger und flexibler. Da mehr Daten über den aktuellen Verbrauch im Netz vorliegen, kann die Strombeschaffung optimiert werden. Smart Meter sind eine wichtige Voraussetzung für ein zukunftsfähiges Stromnetz, das so genannte Smart Grid. Damit soll in Zukunft das schwankende Angebot erneuerbarer Energien aus Windparks und Solaranlagen besser als bisher mit dem Verbrauch in Einklang gebracht werden. Im Smart Grid der Zukunft können Elektrogeräte mittels Hausautomation preis- und energieeffizient zentral gesteuert werden. Wenn gewollt, springt die Waschmaschine erst dann an, wenn der Strom besonders günstig ist, weil beispielsweise durch einen Sturm gerade viel Windenergie im Netz ist.

Wann muss wer einbauen?

Die Smart Meter-Pflicht tritt in diesem Jahr in Kraft, private Haushalte werden aber erst ab 2020 in die Pflicht genommen. Im ersten Schritt müssen nur Großkunden mit einem Verbrauch von jährlich über 10.000 Kilowattstunden umstellen und einen intelligenten Zähler zur Messung ihres Stromverbrauchs nutzen. Drei Jahre später betrifft diese Regelung dann auch die ersten privaten Haushalte, sofern sie mehr als 6.000 Kilowattstunden Strom im Jahr verbrauchen.

In der Praxis wird der Einbau der Smart Meter wahrscheinlich jedoch erst 2018 starten. Grund ist, dass die intelligenten Messsysteme mit ihren Kommunikationsmodulen einen komplexen Genehmigungsprozess des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) durchlaufen müssen. Diese Genehmigungen liegen derzeit noch nicht vor. Sobald alle Genehmigungen und Detailkenntnisse vorliegen, entscheiden wir, wann konkret einzelne Umbauten vorgenommen werden. Kunden, die darunter fallen, werden spätestens drei Monate im Voraus vom zuständigen Messstellenbetreiber informiert.

 

Fragen und Antworten des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie