Änderunden beim Stadtbus 2016

„Ich fahr nicht mehr mit dem Bus, weil man sich nicht mehr drauf verlassen kann“ ergab eine Umfrage unter ehemaligen Stadtbus-Fans. „Der Bus muss unbedingt wieder pünktlich werden“ ist auch die Meinung von René Pietsch, Betriebsleiter der Stadtverkehr Lindau (B) GmbH. Dass sich in Lindau seit dem letzten Jahr richtig viel tut und überall gebaut, gegraben und gebaggert wird, das hat natürlich auch Auswirkungen auf einen Stadtbus, der aufgrund seines Rendez-Vous-Systems am Zentralen Umsteigepunkt auf absolute Pünktlichkeit angewiesen ist.

„Dabei war 2015 erst der Anfang“ blickt Pietsch in die Zukunft. Lindau hat noch viel vor sich, wenn man nur an die Planungen von Bahn und Unterführungen denkt. „Das macht dem Stadtbus das Leben nicht leichter und wir müssen dringend reagieren und uns auf die künftigen Behinderungen auf Lindaus Straßen einstellen“. Eine dieser Reaktionen sind Beschleunigungsmaßnahmen, die dem Bus Vorfahrt einräumen sollen. „Solche Verbesserungen sind nicht zum Nulltarif zu haben, sind aber zwingend notwendig, um wieder pünktlich, zuverlässig und flexibel zu sein und auf Veränderungen in der Lindauer Infrastruktur eine Antwort zu haben“ erläutert René Pietsch.

Um die Kosten im vom Stadtrat vorgegebenen Rahmen von 1,7 Millionen Euro jährlich nicht zu überschreiten, muss jetzt an anderer Stelle gespart werden. Die von einigen Lindauerinnen und Lindauern kritisierte Abweichung vom einfachen Stadtbussystem schmerzt natürlich, bringt aber Einsparungen, die an anderer Stelle in Verbesserungen investiert werden. „Unsere Zählungen haben ergeben, dass der Verkehr nach 21 Uhr am Bedarf vorbeifährt. Wir sparen am Rand des Systems ein, damit wir der Mehrzahl der Fahrgäste ein besseres Angebot mit pünktlicherem ÖPNV bieten können“ fasst Pietsch zusammen und räumt dabei natürlich ein, dass der Stadtverkehr am Abend komplett neu ist. Was in den oft emotional geführten Debatten gern vergessen wird, weil sie erst zur Sommersaison beginnen, sind die Fahrplanverlängerungen der Abendlinien von Mai bis Oktober an Freitagen und Samstagen bis 00:10 Uhr (letzte Fahrt ab ZUP). Das Rendez-Vous-System bleibt auch abends erhalten.

Zwei neue Fahrscheinarten

Eine echte Verbesserung im Tarifsystem sieht Pietsch in zwei neuen Fahrscheinarten: Ab dem Frühjahr wird es eine 4-Fahrten-Karte im Vorverkauf für 8 EUR geben. Das Einzelfahrtenticket erhält dann über einen Entwerter im Bus seinen Datums- und Uhrzeitstempel.

Neu ist seit 1. Januar auch die Gruppen-Tageskarte für 12 EUR, mit der maximal 5 Personen den ganzen Tag Stadtbus fahren können und die in den Stadtbus-Automaten erhältlich ist. „Mit den neuen Fahrscheinarten kommen wir den Anregungen von vielen Fahrgästen entgegen und hoffen natürlich, dass die neuen Tickets gut angenommen werden“ wünscht sich René Pietsch.

Der Spätverkehr  – ein ganz neuer Verkehr

Um 21:10 und um 22:10 Uhr (an Freitagen und Samstagen im Sommer außerdem um 23:10 und 00:10 Uhr) ab ZUP verkehren nur noch drei Linien: Ein Kurs fährt vom ZUP aus die gewohnte Strecke nach Alwind, von dort aus ohne Halt zur Endhaltestelle Unterreitnau, um von dort alle Haltestellen der Linie 2 bis zum ZUP zu bedienen und anschließend direkt eine Runde über die Insel zu fahren. Der zweite Kurs fährt vom ZUP aus über Rennerle, Motzach, Weißensberg und Rehlings bis zum Gitzenweiler Hof, von dort startet er ohne Halt durch nach Oberreitnau und beginnt am Marienplatz mit dem Kurs der Linie 3 über die Endhaltestelle Oberreitnau Nord in Richtung ZUP. Von dort aus fährt dieser Bus den neuen „Stadtkernkurs“: ZUP – Jugendherberge/Limare – Berliner Platz – Köchlin – Blauwiese – BoGy – Aeschach (über die Friedrichshafener Straße) – Krankenhaus und von dort durch Holbeinstraße, Am Torggel und Aeschach zurück zum ZUP. Der dritte Kurs schließlich fährt zunächst die Inselroute, danach geht es direkt vom Langenweg aus auf der Route der Linie 3 bis zur Grenzsiedlung nach Zech. Nach den Haltestellen Kunert, Metzeler und Gewerbegebiet geht es zur Endhaltestelle nach Oberhochsteg, um von dort aus alle Haltestellen der Linie 1 in Richtung ZUP zu bedienen.

Nachmittags teilt sich die Linie 3

Zur Pünktlichkeit beitragen soll auch die Zweiteilung der stark frequentierten Linie 3 nach und von Zech. Von Montag bis Freitag zwischen 14:40 und 17:40 Uhr fährt künftig die Linie 3-Gewerbegebiet den üblichen Linienweg bis zum Kreisverkehr vor der Autobahn, wendet dort und fährt zum ZUP zurück. Die Linie 3-Grenzsiedlung/Zech fährt durch die Bregenzer Straße, hält auf diesem Weg nur an der neuen Haltestelle Berliner Platz am Reutiner Bahnhof und von dort aus bedient dieser Bus ab der Haltestelle Metzeler alle Halte in Zech bis zur Grenzsiedlung und bedient auf dem Rückweg zum ZUP die Haltestellen Kunert, Metzeler und Berliner Platz.

Späterer Start am Wochenende

Am Wochenende starten die Stadtbusse später: An Samstagen ist die erste Fahrt ab den Endhaltestellen je nach Linie zwischen 07:18 und 07:26 Uhr, an Sonn- und Feiertagen zwischen 07:48 und 07:56 Uhr. Bewährt und eingespielt hat sich mittlerweile auch, dass abends und an Sonntagen nur noch der Bus der Linie 1 auf die Insel fährt:  An Werktagen (von Montag bis Samstag) ab 19.40 Uhr und an Sonntagen wird die Linie 2 zwischen dem Zentralen Umsteigepunkt und der Haltestelle Hauptbahnhof inclusive der Haltestelle Westliche Insel eingestellt und durch die Linie 1 ersetzt. Fahrten ab der Haltestelle Westliche Insel werden als Anrufbusfahrten durchgeführt. Fahrtwünsche ab dieser Haltestelle ab 19:45 Uhr müssen an Werktagen und am Sonntag bis 30 Minuten vor Fahrtantritt unter Telefon 08382 704 500 angemeldet werden. Nach einer solchen Benachrichtigung verkehrt die Linie 1 vom Hauptbahnhof zur Westlichen Insel und wieder zurück zum Hauptbahnhof. Fahrten vom ZUP zur Haltestelle Westliche Insel werden als Rufbusfahrten durchgeführt: Am ZUP steigt der Kunde in die Linie 1 Richtung Insel. Wer auf die Westliche Insel möchte, der meldet das beim Fahrer der Linie 1 an. Der Bus fährt dann zunächst zur Haltestelle Hauptbahnhof und von dort zur Westlichen Insel und wieder zurück.

„Alles in einem Plan“

Alle Abfahrtszeiten bietet der „Fahrplan Stadtbus“ an, der ab Mitte Februar am ZUP, bei den Stadtwerken, im Limare, im Bürgerbüro sowie im Tourismus- und Kongressmanagement erhältlich sein wird. Die Stadtbusverantwortlichen wollten möglichst „Alles in einem Plan“ darstellen. „Die Umstellung für Fahrgäste, die sich zwanzig Jahre einfach nur zwei Taktzeiten merken mussten, ist notwendig“, sagt der Betriebsleiter, „wir versuchen aber alles, um die vielen Informationen klar darzustellen“ und sichert zu, dass möglichst schnell alle Haltestellen mit den neuen Plänen beklebt werden“.

Start abhängig von der Genehmigung der Regierung

Der Starttermin für die Änderungen war ursprünglich für den 01. Februar 2016 geplant. Weil die offizielle Genehmigung der Regierung von Schwaben aber länger dauert, kann die Stadtverkehr GmbH frühestens Ende Februar starten. Außerdem wollen die Verantwortlichen ihren Fahrgästen auf einer Infotour vorher Rede und Antwort stehen und den Menschen Gelegenheit geben, sich mit den Neuerungen auseinander zu setzen. Der genaue Termin der Infotour wird in der Tagespresse bekannt gegeben.

Die Änderungen als Chance

„Der Stadtbus muss bezahlbar bleiben und sich am Bedarf und an wirtschaftlichen Kriterien orientieren. Wir sparen mit den Beschlüssen dort ein, wo es nur wenige Fahrgäste trifft und investieren an Stellen, wo viele etwas davon haben“ fasst Geschäftsführer Klaus Steiner die Veränderungen zusammen. Im Rahmen des Klimo-Konzepts sollen Auffangparkplätze mit Stadtbusanbindung, Anrufsammeltaxis, die Anbindung an umliegende Gemeinden und Verknüpfungen mit dem Fahrradverkehr weiterentwickelt werden. Große Zukunftsthemen sind auch ein neues Haltestellenkonzept, Angebote für Firmen für das betriebliche Mobilitätsmanagement und ein neuer Inselbus-Taktverkehr nach Fertigstellung der Bahnunterführung. „Ich wünsche mir, dass die Lindauerinnen und Lindauer die Veränderungen auch als eine Chance sehen, den ÖPNV in einer sich verändernden Stadt flexibler zu gestalten und ihn - wo es nötig und sinnvoll ist, auch anzupassen“.

Pläne, Kommentare und Hintergründe

SWLi/manu

1,7 Millionen Euro Zuschuss jährlich dürfen nicht überschritten werden.