Bauen und Renovieren: Was bedeuten Thermografie, EnEV, Energieausweis und Co in der Praxis?

Es ist mehr als abstrakte, bunte Bildchen: eine Thermografie kann richtig Geld und Energie sparen helfen und wertvolle Hinweise zu Renovierungen im Sinne der EnEV 2014 geben, aber eben nur, wenn sie sorgfältig gemacht und vor allem auch ausgewertet wird. Die Energieberater der Stadtwerke Lindau, Georg Zeh und Hans-Peter Hasel, waren überrascht von der Fülle an Informationen, die eine Thermografie, eine Infrarotaufnahme von Gebäuden, einem Hausbesitzer über sein Heim geben kann.

Die neue EnEV 2014 (Energieeinsparverordnung) trat am 1. Mai diesen Jahres in Kraft und bedeutet für den Laien einen schier unüberwindbaren Wust an Normen und Rechtsvorschriften. Die novellierte Verordnung dient unter dem Strich dem Zweck, dass wir in Gebäuden Energie einsparen und wurde notwendig, weil Deutschland als Mitgliedstaat der Europäischen Union die Forderungen aus der Richtlinie 2010/31/EU über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden in nationales Recht umsetzen musste. Wer ein neues Gebäude plant und baut, muss einen energieeffizienten Neubau errichten, wie es die EnEV fordert. Wer in seinem Haus die Heizung modernisieren oder die Außenhülle energetisch sanieren möchte, sollte beachten, dass die Maßnahmen auch die Anforderungen der EnEV erfüllen müssen. Hauseigentümer verpflichtet die Verordnung unter bestimmten Umständen, die alte Heizung zu erneuern, Heizungs- und Warmwasserrohre zu isolieren und die oberste Geschossdecke im Haus zu dämmen. Beispielsweise dürfen Eigentümer von Gebäuden Heizkessel, die mit flüssigen oder gasförmigen Brennstoffen beschickt werden und vor dem 1. Januar 1985 eingebaut oder aufgestellt worden sind, ab 2015 nicht mehr betreiben. Auch wer Anlagen zum Kühlen oder Raumlufttechnik installieren will, muss die EnEV-Anforderungen beachten.

Unbehagliches Klima durch Wärmebrücken

Hohe Heizkosten, kalte Wände und Zugluft geben Ihnen das Gefühl, dass in Ihrem Haus Wärme verloren geht? Wertvolle Informationen über mögliche Ursachen kann eine Gebäudethermografie bringen. In einem Privathaushalt werden durchschnittlich 75 Prozent der Energie fürs Heizen aufgewendet. Bei mangelhafter Hausdämmung geht ein Großteil der Heizwärme durch das Dach, die Fassade oder die Fenster wieder verloren. Über Wärmebrücken, sogenannte Wärmelecks, wird die Wärme schneller von innen nach außen transportiert als durch andere Bauteile. Sie haben negative Auswirkungen auf das Gebäude und seine Bewohner. Es entsteht an der Wand innen eine niedrigere Oberflächentemperatur. Die Bewohner empfinden diese als unbehaglich und stellen die Heizung höher. Dadurch steigt natürlich dann der Energieverbrauch. Ob die Hausdämmung Wärmelecks aufweist, kann eine Thermografie aufdecken. Undichte Fenster und Türen können ebenfalls zu erheblichen Energieverlusten führen. Die Aufnahme von Wärmebildern sollte an kalten Tagen durchgeführt werden, da nur dann ein Temperaturunterschied sichtbargemacht werden kann.

 

Schimmelbildung frühzeitig erkennen

Auch Schimmelbildung kann möglicherweise durch die Thermografie frühzeitig erkannt werden: Im Bereich von Wärmebrücken kann sich aufgrund der niedrigeren Innenoberflächentemperatur Tauwasser sammeln. Zum Beispiel trifft feuchte Luft im Bad auf eine kalte Wand, kühlt ab und bildet Tauwasser. Das gleiche Prinzip kann bei einem Brillenträger, der im Winter ein warmes Gebäude betritt, beobachtet werden. Die feuchte Luft sammelt sich an seinen kalten Brillengläsern und die Brille beschlägt. An den feuchten Wänden legt sich Staub nieder, der in Verbindung mit Farbe oder Tapetenkleister einen idealen Nährboden für Schimmelpilze bildet.

Gute Ergänzung zum Energieausweis

Die Thermografie ist außerdem eine gute Ergänzung zum Energieausweis, denn mit Hilfe der Wärmebilder kann festgestellt werden, welche Auswirkungen Modernisierungsmaßnahmen haben. Die Ergebnisse können überprüft und ein Vorher-Nachher-Vergleich angestellt werden. Der Energieausweis ist ein erster Anhaltspunkt für den Zustand eines Gebäudes und beinhaltet bereits Ratschläge für Modernisierungsmaßnahmen. Empfohlen werden oft das Dämmen von Dächern, Wänden und Heizungsrohren, der Austausch alter Fenster oder das Erneuern der Heizungstechnik. Um die Energiekosten deutlich zu senken, müssen alle Vorschläge energetisch und bauphysikalisch auf das Gebäude abgestimmt sein. Auch wenn nur eine kleine Instandsetzungsmaßnahme geplant ist, sollte ein Gebäude vorher gründlich analysiert werden. So ergibt sich ein Gesamtkonzept für die Modernisierungsmaßnahmen, auch dann, wenn diese erst später realisiert werden. Mit wenigen, kombinierten Maßnahmen kann der Energieverbrauch oft bereits nachhaltig gesenkt werden. Wenn ein neues Haus fertiggestellt ist, muss der Bauherr bzw. Eigentümer nach der EnEV-Verordnung sicherstellen, dass ein berechtigter Fachmann einen Energieausweis ausstellt. Wenn ein Haus ganz oder teilweise vermietet oder verkauft werden soll, wird ein Energieausweis benötigt, der den potenziellen Käufern oder Neumietern vorgelegt werden muss, wenn diese das Haus besichtigen. Außerdem regelt die EnEV auch, welche Energiekennwerte in kommerziellen Immobilienanzeigen mit veröffentlicht werden müssen.

Verstöße können teuer werden

Bauherren sollten sich auf jeden Fall mit der Verordnung beschäftigen, denn Verstöße können richtig teuer werden. So ist im Bußgeldkatalog beispielsweise unter der Ordnungswidrigkeit „Heizungs- und Warmwasserleitungen oder Armaturen gemäß EnEV 2014 § 10 Abs. 2, Satz 1 vorsätzlich oder leichtfertig nicht wie gefordert dämmen“ ein Bußgeldrisiko von bis zu 50.000 Euro beschrieben. Das Lindauer Energieteam und die Stadtwerke Lindau möchten mit ihrer Veranstaltung am 03. Dezember informieren und als kompetente Partner in Sachen Energieeffizienz Ihre Fragen beantworten.

SWLi/manu/H-P. Hasel

Thermografie kann richtig Geld und Energie sparen helfen.