Der Ehrliche soll nicht der Dumme sein - künftig strengere Kontrollen im Stadtbus

„Es sind zu viele, die auf Kosten unserer ehrlichen Kundinnen und Kunden Stadtbus fahren, das kann und darf nicht sein“ sagt René Pietsch, Betriebsleiter der Stadtverkehr Lindau (B) GmbH. Ab sofort soll es deutlich mehr Kontrollen in den Stadtbussen geben als bisher. Ziel ist es nicht, die Fahrgäste "abzuzocken", Ziel ist es, die Zahlungsmoral zu verbessern. „Am liebsten wäre mir“ sagt Pietsch „wenn unsere Kontrolleurinnen und Kontrolleure keinen einzigen Betrüger finden könnten - weil alle bezahlt haben!“.

Schwarzfahrer sollen im kommenden Jahr kräftiger zur Kasse gebeten werden - mit 60 statt 40 Euro. Der Bundesrat fasste dazu am 28.11.2014 einen Verordnungsbeschluss. Schon zum 1. Januar 2015 - wie von den Ländern gewünscht - konnte dies aber nicht umgesetzt werden. Der Bund muss vorher noch zwei weitere Verordnungen ändern, so dass die Erhöhung laut Verkehrsministerium frühestens im Frühjahr 2015 in Kraft treten kann. Die Verkehrsbranche fordert seit längerem eine Anhebung des „Erhöhten Beförderungsentgeltes“ (die letzte Anhebung des EBE erfolgte Anfang 2003 von 30 auf 40 Euro), für die sich auch die Verkehrsminister der Länder stark gemacht hatten. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat sich offen dafür gezeigt. Er will nun das weitere Verfahren einleiten, zu dem eine Abstimmung mit Verbänden und eine erneute Zustimmung des Bundesrates gehören. Eingeplant werden soll auch ein Monat Vorlauf zur konkreten Umsetzung und Veröffentlichung. Fällig werden kann der Betrag von 60 Euro daher laut Ministerium „frühestens ab dem Frühjahr 2015“. Ein genauer Termin wurde vorerst aber noch nicht genannt. Nach Branchenangaben entgehen Nahverkehrsunternehmen deutschlandweit jährlich bis zu 250 Millionen Euro Einnahmen durch Fahrgäste ohne gekauftes Ticket. Schwarzfahren („Erschleichen von Beförderungsleistungen“) wird nach § 265a Strafgesetzbuch (StGB) sanktioniert. Wer zweimal im Jahr erwischt wird, erhält eine Anzeige und landet vor Gericht. In Deutschland wird je nach Verkehrsverbund der Anteil der Schwarzfahrer auf 1,18 bis 3,2 Prozent geschätzt. Diese Einnahmeausfälle müssen letztlich durch die Fahrpreise und die staatlichen Bestellentgelte ausgeglichen werden.

Gerechtigkeit und Solidarität

Doch die Höhe des EBE ist für den Stadtbus-Betriebsleiter zunächst gar nicht entscheidend, seine Motivation ist Gerechtigkeit und Solidarität und er erzählt die Geschichte vom Obstbauer Huber: „Obstbauer Huber hat sich entschieden. Obwohl alle seine Kollegen in der Stadt weiterhin Obstkassen des Vertrauens haben, gibt es das bei ihm in Zukunft nicht mehr. Seit Wochen hat er jeden Morgen viele Beutel prall gefüllt mit rotbäckigen Äpfeln am Straßenrand ausgestellt. Die hatte er gehegt und gepflegt bis sie süß und lecker waren. Deshalb sind sie abends alle weg. Aber seine Kasse blieb dennoch leer. Wer seine Äpfel mitnahm, hat nicht bezahlt. Wozu aber soll er Äpfel produzieren und verkaufen, wenn keiner seine schwere Arbeit bezahlt?! Obstbauer Huber kann sich so entscheiden. Und jeder versteht ihn…“

Im Stadtbus sei das anders, erläutert Pietsch. Zwar ist die Kasse abends nicht ganz leer. Aber doch hat bei weitem nicht jeder bezahlt. Und der Stadtbus kann auch nicht einfach nicht mehr fahren. Das wäre unfair gegenüber jenen Fahrgästen, die ihn dringend brauchen und ihre Fahrscheine bezahlen.

Abgesehen davon, dass Fahren ohne Fahrschein eine Straftat und kein Kavaliersdelikt ist, ist es auch ungerecht. Wenn alle ehrlich zahlen würden, wäre mehr Geld verfügbar, den Stadtbus noch besser zu machen. „Unser Unternehmen muss Busse kaufen, warten, betanken, Fahrpläne ausarbeiten, kurz Infrastruktur vorhalten. Busfahrer können nicht von Luft und Liebe leben, sondern brauchen ihren Lohn. Das alles muss bezahlt werden und kostet viel Geld“. Darum werden die Stadtbus-Verantwortlichen künftig noch genauer und vor allem auch öfter kontrollieren. Sechs Kontrolleurinnen und Kontrolleure sind regelmäßig in den vier Stadtbus-Linien unterwegs. Nicht aus Schikane, sondern weil nicht sein kann, dass der Ehrliche der Dumme ist, der – durch regelmäßige Tariferhöhungen – immer mehr für seine Fahrscheine bezahlt und Schwarzfahrer sponsorn muss.

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Ab sofort soll im Stadtbus öfter und strenger kontrolliert werden.