Er rollt und rollt: die türkise Flotte wird 20 Jahre alt

Am 22. Oktober 1994 startete das Lindauer Stadtbussystem – heute kann der Stadtverkehr voller Stolz auf 20 erfolgreiche Jahre zurückblicken und wird bis Ende 2014 über 51 Millionen beförderte Personen verbuchen können.

Die Begeisterung bei der Einführung des neuen Systems war unbeschreiblich. Der Ansturm war riesig, die Presse überschlug sich förmlich, die Mitglieder der Projektgruppe waren restlos glücklich und die Politik selten einig und stolz. Knapp ein Jahr lang tüftelte die „Projektgruppe Stadtbus Lindau“ an einem gut funktionierenden Stadtbus-System herum, bevor sie dem Stadtrat eine umsetzungsreife Entwurfsplanung vorlegte. „Geht nicht gibt‘s nicht“ lautete die Devise. Nur so konnte man ohne Einschränkungen und Sperren drauf los „spinnen“. Der Stadtratsbeschluss ging später als „Sternstunde des Stadtrates“ in die Geschichte ein.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

„Ein Erfolgsprojekt, das genau zur richtigen Zeit kam“ erinnert sich Wilfried Vögel, damals Mitglied der Projektgruppe. Das System war hundertprozentig auf Lindauer Bedürfnisse zugeschnitten und damit zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Dem Mut und der Standhaftigkeit der politisch Verantwortlichen von damals ist es zu verdanken, dass sich Lindau in Sachen Mobilität auch über Deutschlands Grenzen hinaus viel Beachtung und Respekt erworben hat.

Für einen lebendigen ÖPNV

Rund 1,8 Millionen Zuschuss benötigt der Lindauer Stadtbus im Jahr – Geld, das gut in Mensch und Umwelt investiert ist. „Damit sind die Grenzen der Finanzierbarkeit allerdings deutlich erreicht", sind sich Klaus Steiner, Geschäftsführer des Stadtverkehrs und sein Betriebsleiter René Pietsch einig. Nach zwanzig Jahren kann man durchaus mal über Veränderungen nachdenken. Die Stadt hat sich weiterentwickelt und lebt, und das gilt auch für den Stadtbus. Was die Verantwortlichen keinesfalls wollen, ist Linien streichen oder einfach die Fahrzeiten verkürzen und so kurzfristig Geld einsparen. Änderungen, die sinnvoll und bedarfsorientiert sind, wie zuletzt die Anbindung des Gitzenweiler Hofs oder 2005 die Verlängerung der Linie 3 bis zur Grenzsiedlung, sind aber Teil eines lebendigen ÖPNV.

Ziel ist es, die Umsatzerlöse zu steigern

Betriebsleiter René Pietsch erläuterte in seinem Beitrag zur Jahrespognose in der letzten Aufsichtsratssitzung, dass beim Stadtbus kein Kosten-, sondern eher ein Erlösproblem besteht. Die Fahrgastzahlen sind leicht rückläufig und politische Entscheidungen, Preis- und Tariferhöhungen reduzieren natürlich das Ergebnis. Der neue Betriebsleiter hat sich vorgenommen, die Erlöse in Angriff zu nehmen und zu steigern. Er möchte, dass der Stadtbus für noch mehr Menschen attraktiv wird und dass künftig noch mehr Lindauerinnen und Lindauer auf das umweltfreundliche Verkehrsmittel Bus umsteigen. „20 Jahre sind auf jeden Fall ein Grund zum Feiern“ sagt Klaus Steiner, „allerdings in kleinerem und bescheidenerem Rahmen als früher. Dass dieser 22. Oktober ein besonderer Tag ist werden unsere Fahrgäste trotzdem merken“ verspricht der Geschäftsführer.

manu

Der Stadtbus wird am 22. Oktober 20 Jahre alt