Kuschlig warm ganz ohne Investition

Egal ob Heizungsmodernisierung oder -neubau: Beim Wärme-Contracting kümmern sich die Stadtwerke Lindau um alles. Sie übernehmen das unternehmerische Risiko und bieten ein individuell auf die Bedürfnisse ihres Kunden abgestimmtes Konzept und Dienstleistungspaket an.

Wärme-Contracting ist eine seit den 1990er Jahren von Hauseigentümern und Vermietern in Anspruch genommene Dienstleistung, die in der Regel von mittelständischen Heizungsbauunternehmen und öffentlichen und privaten Energielieferanten angeboten wird. Die Stadtwerke Lindau haben bereits 1997 beschlossen, „Wärme“ in ihr Dienstleistungsangebot aufzunehmen. „Anstelle des Rohmaterials verkaufen wir die Dienstleistung“ lautete die zukunftsweisende Devise. So kann ein Stadtwerk die ökologische Idee in die Unternehmensstrategie einbeziehen, ohne ökonomische Aspekte zu vernachlässigen.

Lange Laufzeiten

Kern eines solchen „Vertrages“ (englisch contract) ist die Auslagerung der Investitionen für die erstmalige Errichtung oder Modernisierung von zentralen Heizanlagen vom Gebäudeeigentümer an den Contractor. Der Hauseigentümer räumt dem Contractor (dem Wärmelieferant) in einem Wärmelieferungsvertrag mit langer Laufzeit (10–15 Jahre) das exklusive Recht ein, seine Mieter bzw. die Liegenschaft mit Heizwärme und gegebenenfalls Warmwasser aus einer Zentralheizung zu versorgen. Der Wärmelieferant ist durch die langen Laufzeiten in der Lage, seine Investitionen in die Heizungsanlagen auf 10–15 Jahresraten umzulegen. Der Wärme-Contracting-Markt hat in Deutschland mittlerweile ein Umsatzvolumen von ca. 1 Mrd. € pro Jahr erreicht.

Die perfekte Symbiose

Alte Heizungsanlagen sind oft aufgrund hoher Energie-, Wartungs- und Instandhaltungskosten unrentabel. Auch fordert der Gesetzgeber mit der neuen Energieeinsparverordnung die Modernisierung alter Heizungsanlagen. Doch der Austausch dieser Anlagen ist oft teuer und erfordert spezielles Know-how. Außerdem muss ein störungsfreier und zuverlässiger Betrieb der Anlagen gewährleistet sein. Beim Wärme-Contracting bezieht der Kunde nur noch Wärme – um den Rest kümmert sich der Contractor. Die Planung, Anschaffung und Installation, sowie die Wartung und Instandhaltung der Heizungsanlage sowie den Primärenergieeinkauf, übernimmt ebenfalls der Contractor. Dabei wird konsequent modernste Heizungstechnologie eingesetzt, wenn möglich gekoppelt mit regenerativer Wärmeerzeugung. Eine perfekte Symbiose: In Zusammenarbeit mit regionalen Heizungsinstallateuren projektieren und installieren die Stadtwerke Lindau eine Heizungsanlage, die auf dem modernsten Stand der Technik effizient arbeitet. Zusätzlich profitieren die Kunden vom schnellen und zuverlässigen Service vor Ort: 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag. Die Stadtwerke bedienen mit dieser Dienstleistung bislang Objekte, die eine Kessel-Leistung mit mindestens 40 kW (dabei handelt es sich in aller Regel um Immobilien in der Größenordnung ab vier bis sechs Wohneinheiten) benötigen. Die drei größten Objekte sind dabei derzeit der Lindaupark mit einem Gaskessel und einem Reserveöltank, das Freizeitzentrum Oberreitnau mit einem Blockheizkraftwerk und das GWG-Wärmenetz in Reutin.

Ein Großer für Viele

Die bestechende Idee eines Wärmenetzes wird von unseren Nachbarn in Vorarlberg bereits seit vielen Jahren erfolgreich praktiziert: Eine große, zentrale Heizanlage versorgt ganze Weiler und Siedlungen. Das ist sparsam, umweltfreundlich und rechnet sich. Eine Fernwärmeversorgung besteht in erster Linie aus den Komponenten Wärmeerzeuger, Fernwärme-Rohrnetz, Übergabestation und Hauswärmerohrnetz. Als Fernwärme werden dann Energieversorgungssysteme bezeichnet, bei denen an einer zentralen Stelle Wasser erwärmt wird (z.B. in einem Heizkraftwerk mittels Biomasse) und über Rohrleitungssysteme zu den Verbrauchern (Gebäude) geführt wird. Um das warme bzw. heiße Wasser vom Wärmeerzeuger zu den Abnehmern transportieren zu können, wird ein Fernwärme-Rohrnetz benötigt. Bei diesen Rohrnetzen spielen vor allem zwei Parameter eine Rolle, die sich wiederum auf andere auswirken: Erstes Ziel ist es, warmes Wasser von A nach B zu transportieren. Zweites Ziel ist es, dies möglichst effizient zu bewerkstelligen. Das heißt, dass es beim Fernwärme-Rohrnetz immer ein Abwägen ist zwischen Rohrdurchmesser, Vorlauftemperatur, Verlusten und Kosten (Betriebs- und Investitionskosten). Je größer die Dimension der Rohrleitung, umso mehr heißes Wasser, sprich Energie, kann über diese Leitung transportiert werden. Allerdings steigt hierbei auch die Rohroberfläche und damit natürlich auch die Verluste. Außerdem nehmen die Investitionskosten zu. Je kleiner das Rohr ist, umso höher muss die Durchflussgeschwindigkeit sein, um das gleiche Wasservolumen und somit die gleiche Energiemenge zu transportieren, was sich in einem höheren Strombedarf für die Pumpen niederschlägt. Eine andere Möglichkeit ist es, den Volumenstrom beizubehalten, die Temperatur aber zu erhöhen. Dadurch bleibt der Strombedarf gleich, es erhöht sich aber der Verlust. Je höher der Unterschied zwischen Vor- und Rücklauftemperatur ist, umso wirtschaftlicher stellt sich ein Fernwärmenetz. In der Übergabe-Station wird die Wärme des Fernwärmenetzes an das Hausnetz übergeben. Eine Fernwärmeübergabestation besteht üblicherweise aus einem Wärmeüberträger (der das Leitungsnetz des Hauses von dem Fernwärmenetz trennt), einem Wärmemengenzähler, Ventilen (Sicherheits- bzw. Drosselventile) sowie einer Umwälzpumpe im Sekundärkreis des Wärmetauschers.

Nahwärmeversorgung für die GWG

Von der Heizzentrale in der Reutiner Straße 63 aus werden zehn Mehrfamilienhäuser der GWG über ein Nahwärmenetz mit Wärmeenergie aus Biomasse (Pellets) versorgt. Zwei weitere Objekte sollen in den nächsten Monaten noch angeschlossen werden. Der Biomassekessel hat eine Leistung von 300 KW und spart im Jahr gegenüber einer Ölheizung rund 138.177 Kg CO2 ein. Das Silo, also der Raum für die ENplus 14961-2-normierten und zertifizierten Pellets, hat eine Größe von 105 m³. Rund 120 t Pellets braucht die Anlage je nach Witterung im Jahr, um alle angeschlossenen Objekte mit warmem Wasser und Heizwärme zu versorgen, wobei beide Systeme mittels eines Wärmetauschers getrennt sind. In den Nahwärmeübergabestationen sind Pufferspeicher integriert, um die Leistungsspitze zu reduzieren und die Wärmeverluste im Sommer zu minimieren. Georg Zeh, bei den Stadtwerken zuständig für das Reutiner Wärmenetz, demonstriert die Anlage mit Begeisterung und kann sie auch von zu Hause aus am Bildschirm überwachen. Allerdings erinnert er sich auch noch lebhaft an die Anfangszeit, als schwarzer Rauch aus dem Kamin der Anlage das Verhältnis zur GWG als Kunden und zu den Nachbarn nicht unbedingt positiv beeinflusste. Eine Pellet-Anlage war Neuland für die Stadtwerke und da musste man erst mal Erfahrungen sammeln. „Ein Software-Fehler führte dazu, dass der Kessel zeitlich nicht optimal verbrannte“ berichtet Zeh und freut sich, dass das System jetzt problemlos schnurrt.

Wie läuft ein Contracting-Vertrag ab?

Zunächst wird der „Ist-Zustand" der Heizungsanlage aufgenommen, danach ein Konzept erstellt und auf dieser Grundlage ein Contracting-Angebot erarbeitet. Im Angebot enthalten ist eine Finanzierungs- und Investitionsplanung. Die Stadtwerke Lindau bzw. deren regionale Partner übernehmen den Ausbau der Altanlage, die Installation und Inbetriebnahme der Neuanlage durch qualifizierte Fachhandwerker und kümmern sich außerdem um die Brennstoff- und Energielieferung inklusive Anlagen-Management mit Service und Support sowie Wartung und Reparaturen.

Als Contractor stellen die Stadtwerke die Anlage bereit. Der Contracting-Nehmer entrichtet im Gegenzug einen monatlichen Betrag, der sich aus dem Grundpreis für Finanzierung, Betrieb und Unterhalt und dem Energiepreis für die tatsächlich verbrauchte Energie zusammensetzt.

Sie wollen Ihre Heizungsanlage erneuern, modernste Technologien einsetzen und nicht selbst bauen und finanzieren? Ihr Objekt benötigt eine Kessel-Leistung mit mindestens 40 kW? Gerne berät Sie hierzu unser Contracting-Spezialist Georg Zeh unter der Telefonnummer 08382 - 704-221 oder via E-Mail an g.zeh@sw-lindau.de.

SWLi/manu

Georg Zeh kontrolliert den Heizkessel des Nahwärmenetzes.