Mehr als 300 Interessierte am Freitagabend bei Infoveranstaltung über Therme Lindau

Lindau/wk - Direkt am Ufer des Bodensees und mit freiem Blick auf die Alpen entsteht in Lindau, wenn der Stadtrat am kommenden Mittwoch, 30. September, zustimmt, an einem der schönsten Standorte überhaupt ein neues Bad. Die Lindau Therme ist ein Projekt der Stadt und Stadtwerke Lindau in Zusammenarbeit mit dem Betreiber Schauer & Co., der die Ausschreibung gewonnen hat. Die Investitionssumme für die Therme am Standort des heutigen Strandsbads Eichwald beträgt 25 Millionen Euro. Fünf Tage vor der Entscheidung im Stadtrat hatten die Beteiligten am vergangenen Freitagabend zu einer moderierten Bürgerinformation ins Eichwaldbad eingeladen.

Rund 300 Interessierte, unter ihnen viele Mitglieder des Stadtrats, Vereinsvertreter sowie Stammgäste des Eichwaldbads und des Limare, haben sich am vergangenen Freitag (25. September) über das Projekt und die Finanzierung des Bäderprojekts informiert. Eingeladen hatten die Stadt Lindau, die Stadtwerke und Andreas Schauer. Bereits eine Stunde vor Beginn der moderierten Veranstaltung führte Andreas Schauer über das weitläufige Gelände des Strandbads, wo mit Flatterbändern die künftige Aufteilung des Geländes sowie Gebäudegrenzen markiert waren.

"Wir waren noch nie so nah dran"

Oberbürger Dr. Gerhard Ecker erklärte: „Wir waren noch nie so nah dran ein Bad für alle zu bauen und finanzieren zu können.“ Bei Großprojekten stelle sich stets die Frage, wann eine Bürgerinformation sinnvoll ist. „Man braucht zuerst ein ordentliches Konzept“, so der Oberbürgermeister. Er sprach von einer „tragfähigen Lösung“. Betreiber Andreas Schauer stellte in einem 25-minütigen Impulsreferat das in den vergangenen fünf Jahren erarbeitet Konzept für die Therme Lindau vor. Die Therme möchte eine kühne Bäderarchitektur mit der sensiblen Landschaft des Bodensees vereinen. Die neue Therme soll sich behutsam in die von den grünen Eichenhainen und dem Bodenseestrand geprägte natürliche Umgebung einfügen. Die Seesauna, der direkte Seezugang und der freie Blick auf dem Bodensee und das Bergpanorama wären besondere Attraktionen mit großer Anziehungskraft. Ein wesentliches Merkmal der Therme Lindau soll die klare Trennung der verschiedenen Bereiche, der lauten und leisen Zonen sein, die verschiedene Zielgruppen mit sehr unterschiedlichen Bedürfnissen ansprechen.

Sport- und Familienbad das ganze Jahr

Im ganzjährig geöffneten Sport- und Familienbad stehen Schwimmen, Bewegung, Spaß und Action im Vordergrund. Sportschwimmer, Familien und Jugendliche sind hier die wichtigsten Zielgruppen. Nutzen werden das Bad, zu dem im Innenbereich ein 25-Meter-Sportbecken mit fünf Bahnen, einem 1-Meter-Sprungbrett und einem 3-Meter-Sprungturm und ein Mehrzweckbecken, möglicherweise auch noch ein Lehrschwimmbecken sowie das über einen Einschwimmkanal zu erreichende 50-Meter-Becken im Freien gehören, zudem die Vereine und der Schulsport. Geplant sind ein Eltern-Kind-Bereich, ein reißender Wildbach sowie zwei mehr als 100 Meter lange spektakuläre Riesenrutschen. Im Sport- und Familienbad sollen künftig Schwimmkurse stattfinden. Lindauer Kinder können hier die Schwimmpferdchen-Prüfung ablegen. Ein attraktives Aquafitnessangebot ist fest geplant.

Zum großen Thermen- und Vitalbadbereich der Therme Lindau gehören mehrere Innen- und Außenbecken mit vielen Wasserattraktionen. Das Wasser hat Temperaturen von 33°C bis 38°C. Von den Pools schauen die Gäste direkt auf den Bodensee. Das Wasser in der Therme und im Vitalbad enthält Salze und Spurenelemente. Die Wasserqualitäten in den einzelnen Becken sind unterschiedlich und haben gesundheitsfördernde Wirkung. Im Untergeschoss ist ein Intensivsoleschwebebecken geplant. Die Textilwellness mit Dampfbad und Sauna vervollständigt das Angebot.

Vielfältigste und attraktivste Saunalandschaft der Region

Entstehen soll auch die vielfältigste und attraktivste Saunalandschaft der Region. Mit zwölf Saunen, sechs Innen- und sechs Außensaunen hat Lindau die mit Abstand größte Saunaanlage am See zu bieten. Ein Ruhehaus und Ruhelounges sowie Innen- und Außenpools erhöhen die Aufenthaltsqualität zusätzlich. Der höchste Genuss für Saunafans wird das Eintauchen in das größte Tauchbecken, den Bodensee sein. Im Spa, das auch für externe Gäste zu erreichen ist, reicht das Angebot von klassischen Massagen bis zu orientalischen Wellnessbehandlungen. Aufenthalte sind zeitgleich in vier hochwertig ausgestatteten Einzelbehandlungsräumen, zwei Doppelräumen sowie in einem Private Spa möglich. Wählen können die Gäste zwischen Aromaöl Massagen, Lomi Lomi Massagen, Hot Stone Massagen, Kräuterstempelmassagen, Balinesischen Massagen und Ayurveda Massagen. Hamambesucher begeben sich in stylisch gestalteten Räumen auf eine persönliche Erholungsreise – mit fernöstlichen Körperritualen, inspirierenden Licht- und Duftkonzepten und überlieferten asiatischen Traditionen. Im Hamam haben die Besucher die Wahl zwischen einer Seifenschaummassage und einer Rasulbehandlung. Die Gastronomie der Therme Lindau stellt sich auf die unterschiedlichen Besuchergruppen ein. Kulinarisch verwöhnen wird die Thermengastronomie die Gäste in drei verschiedenen Restaurants. Mit zwei internen, so genannten „Barfußrestaurants“, exklusiv für Gäste von Bad und Therme und einer von außen zugänglichen Trattoria, wird die Therme Lindau den Bedürfnissen und Ansprüchen aller Besucher - Familien mit Kindern genauso wie anspruchsvollen Wellenessgästen – gerecht.

Ausgleichsfläche für Naturschutz

Das Eichwaldbad ist heute eines der schönsten und attraktivsten Strandbäder am Bodensee. Das wird es auch bleiben, verspricht Andreas Schauer. Gäste, die in Zukunft nur das Strandbad besuchen, können das auch nach Eröffnung der Therme zu denselben Eintrittspreisen wie heute tun. Im Eichwaldbad wird es auch in Zukunft für die Strandbadbesucher ein 50-Meter-Sportbecken mit fünf Bahnen sowie ein Lagunenbecken mit einer Wasserhöhe von 60 Zentimeter bis 1,30 Meter geben, so dass Kinder im flachen Wasser stehen können. Alle Bereiche vor der Therme - mit Ausnahme des Bereichs vor der Sauna mit einer Uferlinie von 125 Metern sowie einer geforderten Ausgleichsfläche für den Naturschutz mit ebenfalls 125 Meter Uferlinie - gehören zum Strandbad. Die Uferlinie verringert sich von heute 660 Meter auf rund 400 Meter. Hinzu kommen soll aber eine zusätzliche Fläche im Eichenhain, wo sich heute noch Parkplätze befinden. Die Surfschule soll bleiben. Auch während der Bauzeit der Therme bliebe das Strandbad, der gesamte östliche Teil des Bades nutzbar. Andreas Schauer erklärte, er verstehe, dass es auch Ängste gibt und sich Stammgäste des Eichwaldbads fragen, was ihnen die neue Therme wegnimmt.

Weniger Zuschuss als heute

Klaus Steiner, Geschäftsführer der Stadtwerke Lindau, übernahm es das Finanzierungskonzept vorzustellen. Die Investitionssumme für das neue Bad liegt bei insgesamt 25 Millionen Euro, führte Klaus Steiner aus. Die Stadt Lindau investiert direkt 11,5 Millionen Euro in das Sport- und Familienbad. Sie finanziert die Investition über kommunale Darlehen. Dieses „Grundversorgungsbad“ bleibt im Eigentum der Stadt. Die private Thermengesellschaft wendet 13,5 Millionen Euro für den Bau von Therme und Sauna sowie die Infrastruktur auf. Die Finanzierung erfolgt über öffentlich-rechtliche Banken, darunter einer Landesbank. Ein Teil dieses Kredits wird abgesichert über die Stadt Lindau. Der Thermenbetreiber erhält dadurch günstigere Konditionen. Den Vorteil gibt er, Synergien eingerechnet, als jährliche Quersubvention in Höhe von 700.000 Euro Betriebskostenzuschuss für das Sport- und Familienbad an die Stadt zurück. Der Finanzaufwand der Stadt verringert sich bei dieser Lösung auf einen jährlichen Betriebskostenzuschuss von zukünftig 1,3 Millionen Euro statt aktuell 1,5 Millionen Euro - trotz der Neubauten. Die Aufwendungen für den Bau, die Investitionskosten, sind in dem städtischen Anteil von 1,3 Millionen Euro schon enthalten. Im Falle des Ausfalls der privaten Thermengesellschaft wäre die Stadt Eigentümerin der Lindau Therme. Weitere 3,5 Millionen Euro sind für die Herstellung eines Parkplatzes mit 120 Stellplätzen an der Straße sowie weiteren 750 auf einem Teils des ehemaligen 850.000 Quadratmeter großen Bahngeländes mit Scherbergärten, Containerfeld und Fahrschule veranschagt. Zum Vergleich: In den Bestand müsste die Stadt mehrere Millionen Euro investieren, so dass das jährliche Defizit auf etwa 2,1 Millionen Euro steigen würde. Diese Lösung wäre nicht nachhaltig. In sechs bis sieben Jahren wären neue Investitionen in die alte Substanz nötig. „Wenn wir selber bauen würden, könnten wir nur ein kleines Hallenbad bauen und das Strandbad erhalten“, sagte Klaus Steiner im Gespräch mit Moderator Thomas Bergert von RSA Radio, der am Abend moderierte. Klaus Steiner zeigte Verständnis für Lindauer, die dem Projekt skeptisch gegenüberstehen. Er sagte, das Eichwaldbad sei ein Stück Lindauer Stadtgeschichte. Erinnerungen hingen am Bad.

Schauer & Co. - Team wurde vorgestellt

Andreas Schauer nutzte die Bürgerinformation auch, um sein Team vorzustellen, das aus erfahrenen Firmen besteht, die zum Teil auch schon gemeinsam Projekte realisiert haben. Dazu gehört das Architektur büro 4a aus Stuttgart. Das Büro hat viele Bäderprojekte umgesetzt, zum Beispiel auch die Therme in Wien oder das TuWass in Tuttlingen. Die technische Planung erstellt das Ingenieurbüro Kannewischer aus Baden-Baden. Kannewischer ist ein Büro mit über 200 realisierten Bäderprojekten. Die Gartenlandschafts- und Umweltplanung macht das Büro Planstatt Senner aus Überlingen. Das Büro hat zum Beispiel auch das Konzept für die nicht realisierte Internationale Gartenschau am Bodensee (IGA 2017) oder für die Außenlage der Bodensee-Therme in Überlingen erstellt. Ins Boot geholt Andreas Schauer als Bauunternehmen die Firma Reisch aus Bad Saulgau, ein inhabergeführtes Familienunternehmen in der dritten Generation. Die Firma Reisch hat schon mehrere Bäder sowie das Kunstmuseum in Ravensburg, das erste in Passivhausbauweise gebaut. Die Lindauer kennen es von der Realisierung der neuen Feuerwehrwache.

Diskussionen und Anregungen

Nach den zwei Impulsreferaten waren die Interessierten eingeladen, an drei Themeninseln über die Finanzierung, das Konzept und Nutzungen zu diskutieren. Die Fragesteller wollten zum Beispiel wissen, wie Konflikte zwischen Saunagästen und dem Eishockeystadion wegen Lärmemissionen verhindert werden sollen, welche Bäume im Baufeld stehen und welche erhalten bleiben können, ob es wieder Jahreskabinen gibt und in welcher Anzahl, ob es möglich wäre ein 50-Meter-Becken mit acht statt wie geplant fünf Bahne zu bauen, wie hoch die Verkehrsbelastung sein wird, wie das Parkkonzept aussieht, wie die Zufahrt gestaltet wird und ob die Therme mit dem ÖPNV erreichbar sein wird. Im Plenum fassten Florian Schneider, Leiter Bäderbetriebe, Stadtwerke Geschäftsführer Klaus Steiner und Andreas Schauer die Fragen und Antworten noch einmal zusammen. Sachliche Fragen können Interessierte ab sofort auch im Internet unter http://www.sw-lindau.de/ihre-fragen-zum-baederkonzept stellen.

Facts & Figures

► Das Defizit von Eichwaldbad und Limare beträgt EUR 1,5 Mio pro Jahr. Mit den notwendigen Instandhaltungen steigt das Defizit auf EUR 2,1 Mio jährlich.

► Der Stadrat hat 2010 beschlossen, ein neues Bäderkonzept zu erarbeiten.

► Per europaweiter Ausschreibung suchte die Stadt Lindau einen Partner für Planung, Bau und Betrieb.

► Mit dem Bieterkonsortium um Andreas Schauer mit 4a Architekten aus Stuttgart, Kannewischer Ingenieurgesellschaft aus Baden-Baden, Landschaftsplaner Planstatt Senner aus Überlingen und dem Bauunternehmen Reisch aus Bad Saulgau trat ein kompetentes, erfahrenes Team an. Es hat die Ausschreibung mit dem besten Konzept und dem wirtschaftlichsten Angebot gewonnen.

► Das aktuelle Bäderkonzept bietet Lindau eine hoch attraktive Therme, zu der ein Sport- und Familienbad, eine Therme und Vitalbad sowie eine großzügige Saunalandschaft gehören.

► Der Zuschussbedarf der Stadt beträgt inklusive des Anteils für die Investition für das im städtischen Besitz verbleibenden Sport- und Familienbad EUR 1,3 Millionen. Diese EUR 1,3 Millionen bedeuten eine Entlastung des städtischen Haushaltes im Vergleich zum anfallenden Defizit bei einer Sanierung des Bestands.

► Das Bad ist sowohl für Schulen und Vereine als auch für die einzige bayerische Ausbildungsstelle für Fachangestellte für Bäderbetriebe essentiell wichtig.

► Die Therme ist für Lindau ein wichtiger Standortfaktor. Bürger und Touristen profitieren.

► Die Therme und Sauna subventionieren das Sport- und Familienbad mit ca. EUR 700.000 jährlich, nur so kann das städtische Defizit reduziert werden.

► Bis auf den Saunaaußenbereich sind alle Uferflächen für die Strandbadbesucher zugänglich. Dies gilt auch für die Fläche vor dem Bereich Therme und Vitalbad.

► Öffnungszeiten: Sport- und Familienbad täglich 9.00-22.00 Uhr/Mittwoch ab 6.30 Uhr, Therme und Vitalbad täglich 9.00-23.00 Uhr, Sauna täglich 9.00-24.00 Uhr/Freitag/Samstag bis 01.00 Uhr
► Tarife: Sport- und Familienbad ab 5,50 Euro, Kinder ab 3 Euro. Sporttarif 1,5 Stunden 3,50 Euro, Kinder 2,50 Euro, Therme & Vitalbad ab EUR 15,50 inkl. Sport& Familienbad, Sauna ab EUR 17,50inkl. Sport, Familienbad und Therme.
► Baubeginn ist nach Schließung aller Verträge und Vorlage eines rechtskräftigen Bebauungsplans frühestes nach der Strandbadsaison 2016. Eröffnungstermin wäre dann im November 2018. Die Bauzeit beträgt zwei Jahre. Bei einem Baubeginn nach der Strandbadsaison 2017 wäre Eröffnung im November 2019.

Ausführliche Themen- und Anregungensammlung beim Infoabend im Eichwald