Bürgerinformation zum Bäderkonzept am 25. September

Generationen von Lindauerinnen und Lindauern lieben, kennen und können es sich nicht anders vorstellen als genau so, wie es die letzten vierzig Jahre war – das fast schon nostalgische Eichwaldbad. „Bei minimalsten Investitionen wurde jahrelang das Bestmögliche rausgeholt“ blickt Florian Schneider, Leiter der Bäderbetriebe bei den Stadtwerken, zurück. Der Stadtrat soll in seiner Sitzung am 30. September 2015 über das Bäderkonzept der Bietergemeinschaft Schauer & Co. abstimmen – bereits am 25. September 2015 von 18:00 bis ca. 19:30 Uhr werden die Pläne und Ideen der Öffentlichkeit ausführlich vorgestellt. Diese Bürgerinformation findet vor Ort im Eichwaldbad (Gastro-Bereich) statt. Bereits ab 17:00 Uhr können sich Interessierte die visualisierte Flächenplanung im Eichwald-Bad anschauen. Wie von der Bunten Liste beantragt, werden die Flächen für das 50-Meter-Becken und den Sauna- und Wellnessbereich mit Flatterbändern gekennzeichnet.

Es war und ist ein großartiges Freibad, viele sagen, das Schönste am Bodensee überhaupt. Aber es ist in die Jahre gekommen. Weil das Geld für teure Sanierungen immer fehlte, mussten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bäderbetriebe in den letzten Jahren immer kreativer werden, um den Badebetrieb aufrecht zu erhalten: Mit viel Liebe wurden Kabinen notdürftig geflickt, Fliesen ausgetauscht, Böden ausgebessert und geputzt wie wild. „Aber irgendwann hilft halt alles nicht mehr“ weiß Schneider, „da bröselt dann alles zusammen und vor allem kann man diese veralteten Bauten heutzutage den meisten Gästen nicht mehr zumuten“.

Jedes zweite Bad in Deutschland ist sanierungsbedürftig

In die Jahre gekommene Bäder und die Angst, Hallen- und Freibäder schließen zu müssen, ist dabei kein Lindauer Problem, sondern ist in der gesamten Republik gegenwärtig: Die meisten Schließungen wurden und werden mit Verweisen auf die schwierigen kommunalen Finanzen begründet, die Investitionen in die Renovierung der Bädersubstanz nicht zuließen. Bereits 2002 stellte die Sportstättenstatistik in der Zusammenfassung fest, „dass bei den Bädern besonders in den alten Bundesländern der Anteil der sanierungsbedürftigen Anlagen bei 46,4% liegt. Dies ist fast mit der Situation in den neuen Ländern (61,6%) und den Stadtstaaten (61,1%) vergleichbar“. Das heißt: Nahezu jedes zweite Bad in Deutschland ist sanierungsbedürftig. Die Verbindung von hohen Betriebskosten mit einem langjährigen Renovierungsstau führt viele Kommunen an die Grenzen ihrer finanziellen Belastungsfähigkeit. Experten schätzen den Renovierungsbedarf auf einen zweistelligen Milliardenbetrag. Viele Kommunen fassen aus wirtschaftlichen Gründen Standorte zusammen oder schließen die Bäder gleich ganz.

1929 wurde das Eichwald-Bad eingeweiht

Schon im 19. Jahrhundert gab es in Lindau öffentliche Badeanstalten, es ist überliefert, dass Menschen trotzdem „wild“, also irgendwo am Ufer, badeten. 1853 gab es auf der Lindauer Insel sogar zwei Badeanstalten: Eine für Frauen im heutigen Römerbad und eine für Männer auf der Hinteren Insel. Im Jahr 1912 wurde das neue Aeschacher Bad eröffnet. Am 15. Mai 1929 wurde das Strandbad Eichwald eingeweiht, die Anlage hatte die Stadt Lindau damals 300.000,-- DM gekostet.

Entscheidung über die Zukunft fällt am 30. September im Stadtrat

Um das Eichwaldbad wurde viel diskutiert, gerechnet und vorgestellt in den letzten Jahren. Die Vorschläge reichten von teuren Wellnesstempeln bis hin zum Offenlassen als Natur-Bad. Stadträtinnen und Stadträte besuchten Bäder, diskutierten in Workshops, wälzten Kostenberechnungen und Gegenüberstellungen und rangen um Kompromisse. Herauskristallisiert hat sich am Ende, dass das Eichwaldbad vor allem eins bleiben soll: ein Bad für Lindauerinnen und Lindauer und Gäste. Eine Stadt ganz ohne Bad scheint der Stadtratsmehrheit nur schwer vorstellbar.

Um Synergien zu nutzen und Frei- und Hallenbad zu erhalten kamen alle Verantwortlichen, Gutachter und Berater bereits früh zu dem Schluss: nur eine Zusammenführung von LIMARE und Eichwaldbad am Standort Eichwald macht wirtschaftlich Sinn. Vier Jahre suchen die Verantwortlichen nun schon nach einer endgültigen Lösung, es wurde zwischen Stadtwerken, Stadt Lindau, Investoren, Aufsichtsbehörden und dem Finanzamt verhandelt, gerechnet, abgewogen, verworfen und neu aufgesetzt. Oberbürgermeister Dr. Gerhard Ecker teilt das Bäderkonzept in zwei große Themenkomplexe: in einen Grundversorgungsbereich, der neben Freibadbetrieb auch Schulen und Vereinen günstige Bade- und Schwimmmöglichkeiten bietet und in einen Vitalbereich mit Therme, Sauna und Spa, der ganzjährig mehr Besucher nach Lindau locken könnte. Außerdem muss das Ganze natürlich für die Stadt bezahlbar sein.

Die langwierige Suche nach der besten Lösung

„Allen Verantwortlichen ist wichtig, dass wir zu einer Lösung finden, die machbar und realistisch ist und mit der alle Beteiligten die nächsten Jahrzehnte gut leben können“ so sagt Florian Schneider. Wenn der Stadtrat am 30. September das vorliegende Konzept billigt, dann könnten im Herbst 2016 die Bagger anrollen./manu

Am 25. September informieren die Bäderbetriebe über das Bäderkonzept.