Stadtwerke Lindau halten Strompreis trotz steigender Umlagen

Die festen Bestandteile des Strompreises (EEG-Umlage, Stromsteuer, KWK-Aufschlag, §19 Strom- NEV-Umlage, Offshore-Haftungsumlage, Umlage für abschaltbare Lasten und Konzessionsabgabe sowie die Netzentgelte) sind in den letzten Jahren stark angestiegen. So stark, dass sie heute zusammen für circa 75% des Strompreises verantwortlich sind. Die Stadtwerke Lindau schlucken diese Erhöhungen und halten die Stromtarife zum 01. Januar 2017 für ihre Kunden stabil. Der Gaspreis wird sogar gesenkt.

 „Der von uns Strom-Unternehmen selbst beeinflussbare Anteil des Strompreises, also der Kostenblock Stromeinkauf, Vertrieb und Service der privaten Haushalte beträgt neben Netzentgelten und Umlagen gerade noch ein Viertel" berichtet Thomas Gläßer, Geschäftsführer der Stadtwerke Lindau. „Hätten wir für 2017 keine Veränderungen bei den Umlagen, dann wäre der Fall klar, wir könnten die Strompreise für unsere Kunden sogar senken".

EEG-Umlage steigt auf 6,88 Cent je Kilowattstunde

Die EEG-Umlage steigt zum 1. Januar 2017 auf 6,88 Cent je Kilowattstunde, 2016 wurde sie um 3 Prozent auf 6,35 Cent erhöht – im Zeitraum von 2010 bis 2015 hat sich die EEG-Umlage insgesamt verdreifacht! Der Anstieg von derzeit 6,35 auf 6,88 Cent pro Kilowattstunde in 2017 bedeutet ein Plus von acht Prozent und markiert gleichzeitig den bisherigen Höchststand der EEG-Umlage. Einem Durchschnittshaushalt entstehen so Mehrkosten von rund 23 Euro netto im Jahr.

Gesunken sind dagegen die Kosten für den Einkauf von Strom an der Strombörse in Leipzig. Lag der Börsenstrompreis 2015 im Schnitt noch bei 3,2 Cent pro Kilowattstunde, waren es im ersten Halbjahr 2016 nur noch 2,5 Cent. Trotzdem sind die Energieversorger größtenteils gezwungen, ihre Preise nach oben zu korrigieren. Was auf den ersten Blick paradox klingt, ist recht einfach zu erklären: Da die Erzeuger von Ökostrom eine feste Vergütung bekommen, wird die Finanzierungslücke bei den geringen Strompreisen an der Strombörse größer. Diese Lücke wird auf die Verbraucher umgelegt. Sinken also die Strompreise an der Leipziger Strombörse, so steigen die Umlagen, immer mehr Geld aus dem EEG-Topf muss an die Anlagen-Betreiber ausgeglichen werden, damit nimmt die Menge an subventioniertem Ökostrom stetig zu und die EEG-Umlage muss angehoben werden. Die Höhe der Offshore-Haftungsumlage für 2017 wurde seitens der Netzbetreiber gesenkt auf den negativen Wert von -0,028 Cent pro Kilowattstunde. Das bedeutet zumindest eine Mini-Entlastung bei der steuerlichen Komponente: ein durchschnittlicher Mehrpersonen-Haushalt spart damit etwa zwei Euro im Jahr.

Verteilernetze müssen massiv aus- und umgebaut werden

Netzentgelte werden von den Netzbetreibern für den Bau, Betrieb und die Instandhaltung der Stromnetze erhoben. Bezahlt werden sie von den Stromanbietern, die wiederum die Kosten an ihre Kunden weitergeben. Die Netzentgelte lagen 2016 im Bundesdurchschnitt 5,7% über dem Vorjahresniveau. Eine wesentliche Ursache für die steigenden Netzkosten ist, dass aufgrund des starken Wachstums der Erneuerbaren Energien die Verteilernetze massiv aus- und umgebaut werden müssen. Immer mehr Anlagen, die Strom aus Erneuerbaren Energien liefern, müssen an das Netz angeschlossen werden. Strom aus Wind und Sonne wird außerdem zunehmend dezentral und teilweise verbrauchsfern erzeugt. Deshalb muss auch das Übertragungsnetz ausgebaut werden, um den Strom da hin zu trans-portieren, wo man ihn braucht. Firmen mit einem hohen Stromverbrauch (~ 10 Mio. kWh) sind seit 2011 von den Netzentgelten befreit, was den Strom für alle anderen Verbraucher wiederum verteuert. Insgesamt sind die Netzentgelte seit 2011 um insgesamt 23% gestiegen und werden von den staatlichen Regulierungsbehörden insbesondere mit Blick auf Kosteneffizienz streng geprüft und hernach erst genehmigt.

WIR!Strom 12 und 24

Gläßer verweist vor allem auf die günstigen Verträge der Stadtwerke Lindau wie WIR!Strom 12 und 24, die sowohl für die Stadtwerke als auch für die Verbraucher Vorteile bringen: Die Stadtwerke haben Planungssicherheit und der Verbraucher sichert sich längerfristig einen günstigen Tarif. Vor allem KundInnen, die noch im Grundversorgungstarif (WIR!Strom Standard) sind, können viel Geld sparen. Aufgrund ihrer Funktion als Sicherheitsnetz sind Grundversorgungstarife automatisch teurer als alternative Stromangebote. Die Grundversorgung bietet zwar den Vorteil kurzer Vertragslaufzeiten, kostet Haushalte jedoch unnötig viel Geld. Die Senkung des Gaspreises entlastet einen Durchschnittshaushalt jährlich mit ca. 60 Euro.

manu/Foto: Manu Schlichtling