Stadtbus Lindau startet Machbarkeitsstudie für Elektrobusse

„Die Entwicklung geht in die richtige Richtung, aber heute schon die gesamte Fahrzeugflotte umzustellen, wäre zu schön“, erklärt René Pietsch, Betriebsleiter des Stadtbus Lindau. Die Rede ist von einer „Stadtbusflotte in elektrisch“, die absolut leise und ohne Emissionen vorbildlich die Stadt mobil machen und während dem Rendez-Vous am Zentralen Umsteigepunkt (ZUP) kurz mal per Induktion „aufgetankt“ würde.

Vor dem Hintergrund der Belastungen der Luft mit Stickstoffdioxid (NO2) in mehreren deutschen Städten und in Folge der sogenannten „Dieselgate-Affäre“ wird auch in Lindau über die künftige Antriebstechnologie im Stadtbus Lindau diskutiert. Im Rahmen des „Sofortprogramms Saubere Luft 2017 bis 2020“ stellen Bundes- und Landesregierungen im Rahmen verschiedener Förderrichtlinien zur Anschaffung von Elektrobussen im ÖPNV und zur Errichtung der dazugehörigen Ladeinfrastruktur Fördermittel in Höhe von bis zu 80 Prozent der sogenannten Investitionsmehrkosten zur Verfügung. Mehrere, meist große Verkehrsunternehmen, steigen inzwischen in die Beschaffung und Erprobung von Elektrobussen ein.

Machbarkeitsstudie startet

„Wir sind davon überzeugt, dass sich die Elektromobilität auch im ÖPNV in den nächsten zehn Jahren durchsetzt und begrüßen das – unter dem Vorbehalt der Wirtschaftlichkeit – ausdrücklich“ sagt Geschäftsführer Thomas Gläßer. „Abgesehen von der bereits ausgeschriebenen Beschaffung eines Reservefahrzeugs im Jahr 2018 sieht der mittelfristige Investitionsplan Ersatzbeschaffungen von Bussen ab dem Jahr 2021 vor“ so Gläßer. „Das versetzt uns zeitlich in die glückliche Lage, 2018 und 2019 eine Machbarkeitsstudie für die Beschaffung und den Betrieb von Elektro-Bussen im Stadtverkehr Lindau(B) zu erstellen.“ Von den Ergebnissen der Studie und unter Berücksichtigung bis dahin möglicherweise erfolgter technischer Weiterentwicklungen entscheiden die Stadtwerke dann über die künftige Beschaffungsstrategie.

Fahrzeugtechnik und Ladeinfrastruktur

Die derzeit noch bestehenden Mängel bei der verfügbaren Fahrzeugtechnik und die Schwierigkeiten bei der Schaffung einer vernünftigen Ladeinfrastruktur trüben die Euphorie der Stadtbusverantwortlichen. „Die Herstellerangaben zur Reichweite differieren und sind typischerweise auf Idealbedingungen bezogen, die im Echtbetrieb jedenfalls nicht an allen Betriebstagen zu erreichen sind“ informiert der Praktiker René Pietsch über seine bisherigen Untersuchungen und Überlegungen. „Erfahrungen bisheriger Probebetriebe zeigen, dass die Standzeiten der elektrisch angetriebenen Busse deutlich über denen mit konventioneller Antriebstechnologie liegen. Dies macht eine – mit zusätzlichen Kosten verbundene – größere Fahrzeugreserve erforderlich“. Sorgen bereitet auch die noch relativ unbekannte Stellgröße der Batteriehaltbarkeit. Alle derzeitigen Hersteller gehen mit Stand heute davon aus, dass die Batterie nach sechs bis sieben Jahren ersetzt werden muss. Die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer eines Stadtbusses beträgt je nach jährlicher Laufleistung acht bis zwölf Jahre. Der verbaute Akku müsste also während der Nutzungsdauer mindestens einmal ersetzt werden, die Kosten hierfür belaufen sich auf rund 120.000 Euro. Richtig teuer sind die Elektrobusse jedoch in der Anschaffung: „Nach den uns bekannten Herstellerangaben betragen die Investitions-Mehrkosten rund 100 Prozent im Vergleich zum heutigen Dieselfahrzeug und liegen damit schätzungsweise um ca. 250.000 bis 300.000 Euro pro Bus höher“ fasst der Betriebsleiter seine bisherigen Recherchen zusammen.

Zusätzliche „Unterwegs-Schnellladung“ nötig

Um Elektro-Busse betreiben zu können, bedarf es der Schaffung einer entsprechenden Ladeinfrastruktur. Diese wäre zum einen eine Nachtladestation auf dem Betriebshof der Stadtwerke. Weil aber die momentan verfügbare Fahrzeugtechnik die Lindauer Anforderungen an die Reichweite noch nicht erfüllen, müsste zusätzlich eine sogenannte „Unterwegs-Schnellladung“ vorgehalten werden. Diese wäre aufgrund der Besonderheiten bei der Linienführung im Lindauer Stadtbus nur am ZUP für alle Fahrzeuge gleichzeitig binnen der jeweils kurzen Aufenthaltszeit zu schaffen. „Die Konsequenzen für die entsprechende Dimensionierung müssen, auch unter topographischen Gesichtspunkten, untersucht werden, bevor eine Systementscheidung gefällt werden kann“, ergänzt Thomas Gläßer.

Elektro-Busse sind ein Thema